Interviews ra_interview

Veröffentlicht am September 26th, 2012 | von Thomas

0

Rise Against Interview, 15.04.07, Garage Saarbrücken

Am 15.04.2007 sollte es also endlich so weit sein – eine der momentan angesagtesten Punk-Bands der Welt, Rise Against, beglückte ihre Fans im Südwestdeutschen Raum mit ihrem ersten Auftritt in der Garage in Saarbrücken. Schon sehr kurz nach Bekanntgabe des Termins war die etwa 1500 Personen füllende Garage restlos ausverkauft, was den derzeitigen Status der Band in der Szene verdeutlicht.

Die aus Chicago, Illinois stammende Band ist bekannt für ihr politisches und soziales Engagement. Ein besonderes Augenmerk der vegan lebenden Mitglieder der Band ist die Wahrung der Tierrechte, unterstützen sie doch die bekannte Tierschutzorganisation PETA.

Die enorme Popularität, kürzlich vorgenommene Personalwechsel innerhalb der Band sowie ihr politisches Engagement waren für uns Grund genug, die Band zu einem Interview zu laden. Rede und Antwort stand dazu der Bassist der Band, Joe Principe.

Diskografie:

Demos & EPs

  • 2000: Transistor Revolt (Demo)
  • 2007: Rise Against (AOL Undercover) (EP)

Alben

  • 2001: The Unraveling (Fat Wreck Chords)
  • 2003: Revolutions Per Minute (Fat Wreck Chords)
  • 2004: Siren Song Of The Counter Culture (Universal)
  • 2005: The Unraveling (Re-mixed, Re-mastered und Re-released mit Bonus Songs) (Fat Wreck Chords)
  • 2006: The Sufferer & The Witness (Geffen Records)

R&R Army: Wie geht´s euch und wie war die Europatour bisher?
Joe: Sehr gut, ja wirklich, jede Show bisher war einfach nur geil!

R&R Army: Ist irgendetwas Aufregendes, Besonderes oder wirklich Schlimmes passiert? Habt ihr irgendwelche Geschichten die Tour betreffend zu erzählen?
Joe: Hmm…nein, nicht wirklich. Es ist einfach nur unglaublich, welch überwältigende Reaktionen seitens des Publikums wir bekommen wenn wir spielen. Es überrascht mich sehr wie die Zuschauerzahlen von Mal zu Mal wachsen, und das macht mich sehr, sehr glücklich und dankbar.

R&R Army: Ihr wart vor 2 Jahren in Deutschland….oder war das letztes Jahr?
Joe: Letztes Jahr.

R&R Army: Worin liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen den USA und Europa, insbesondere Deutschland?
Joe: Ich denke dass die Leute hier es sehr viel mehr wertschätzen wenn wir den ganzen Weg von Chicago hier her kommen um vor ihnen zu spielen. Deswegen sind die auch besser drauf und gehen mehr ab, singen die Texte mit und so…Ich glaub die Kids in den Staaten sind auch verwöhnter weil es so viele gute Bands gibt die ständig touren.

R&R Army: Würdest du sagen dass es agressiver zugeht auf Punk-Konzerten in den USA?
Joe: Ja, definitiv! Hier wird viel friedlicher gefeiert, mitgesungen und getanzt. Es ist einfach großartig. Und die Interaktion zwischen der Band und der Menge, aber auch generell in der Menge scheint hier echt viel besser zu sein.

R&R Army: Beschreib den Leuten da draussen mal bitte euren Lebensstil, besonders wenn ihr auf Tour seid. Ich glaub nämlich dass viele Kids denken, es sei das Größte und Coolste überhaupt um die Welt zu reisen und jeden Tag irgendwo anders ein Konzert zu spielen. Wie siehr die Realität aus und welche negativen Seiten gibt es für dich?
Joe: Nun ja, das was einem am Meisten ausmacht ist sicherlich die Trennung von der Familie. Ich bin verheiratet, Tim und Brandon ebenso und wir haben Kinder und so…das ist sehr hart wenn du so lange Zeit ohne sie auskommen musst. Aber gleichzeitig ist es natürlich auch so, dass die Musik einen so großen Stellenwert in unserem Leben hat dass wir ohne die ganzen Shows uns nicht erfüllt fühlen würden. Wir müssen also den Spagat zwischen Familie und Musik schaffen und auch große Entbehrungen eingehen um alles unter einen Hut zu bringen.

R&R Army: …sind das die Gründe warum Chris (ehem.Gitarrist) die Band verlassen hat? Hat er den Spagat nicht geschafft? Und was macht er jetzt?
Joe: Ich glaub er war einfach mit dem extremen Touren nicht wirklich glücklich. Obwohl er nicht verheiratet ist….er hat aber eine Freundin… und er scheint nun viel glücklicher zu sein. Ehrlich gesagt weiß ich nicht was er jetzt macht, ich hab seit circa einem Monat nicht mit ihm geredet. Soweit ich das gehört hab, sucht er noch nach dem was ihn wirklich glücklich machen wird. Und das wird sicherlich eine harte Entscheidung…

R&R Army: Hast du jemals daran gedacht aufzuhören…die Band zu verlassen?
Joe: Nein, nicht wirklich!

R&R Army: Hattest du einen Beruf oder einen Job bevor ihr Vollzeit-Musiker wurdet?
Joe: Wir alle arbeiteten, als wir noch nicht von der Band leben konnten, in irgendwelchen Scheiß Teilzeitjobs. In irgendwelchen Läden halt. Ich hab echt alles gemacht – von Klamottenläden bis Copyshops.

R&R Army:   Ihr seid bekannt dafür, dass ihr euch stark für PETA einsetzt (People for the Ethical Treatment of Animals), was ich persönlich für sehr sinnvoll halte. Kannst du uns kurz etwas über die Arbeit dieser Organisation erzählen?
Joe: Ja klar. Am allerwichtigsten ist, glaub ich, dass die Leute realisieren wie Tiere behandelt und ausgebeutet werden. Ich mein, auch wenn diese nicht zu uns reden können fühlen sie sicherlich Schmerz und all diese Emotionen die wir auch fühlen. Die Mehrheit der Gesellschaft sieht Tiere als eine Art Produkt an – und nicht als lebendige Wesen. PETA setzt sich dafür ein den Leuten klar zu machen, dass diese Tiere, seien es Versuchstiere oder sonstiges, lebende, atmende Kreaturen mit Gefühlen sind!

R&R Army: Und inwiefern versucht Rise Against diese Message an die Leute zu bringen? Was wollt ihr an euer Publikum weitergeben?
Joe: Oh, ich glaub es sind nicht so sehr unsere Texte die diese Message aussagen sollen. Es ist eher so dass wir uns für PETA engagieren indem wir ihre Vertreter mit auf Konzerte nehmen, diese an unserem Merchandise- Stand Prospekte und sonstiges Info-Material verteilen und ihre Nachricht verbreiten. Und dies vor Allem in den USA. Wir wollen niemanden in eine bestimmte Richtung drängen, es kann jeder selbst entscheiden ob er sich für diese Literatur interessiert und sich engagieren will. Wir wollen nur dass die Leute dies sehen und die Infos erhalten können wenn sie es denn möchten. Das ist Jedem selbst überlassen. Aber ich denke es ist sehr wichtig, die Leute darauf aufmerksam zu machen was in der Welt passiert…und wir haben auf gewisse Art und Weise die Möglichkeit dazu! Und weißt du, als ich aufwuchs und gerade mit der vegetarischen Lebensweise in Kontakt kam, da gab es auf Konzerten sehr häufig Infomaterialien darüber. Dies hat mich in meiner Meinung sehr bestärkt.

R&R Army: Zurück zu euren Texten…würdest du sagen diese sind eher politisch orientiert oder eher persönlich, und wo siehst du eure hauptsächlichen Einflüsse?
Joe: Um ehrlich zu sein, Tim schreibt alle Texte, und er schreibt aus seiner eigenen Perspektive über das alltägliche Leben und was darin so passiert. Wenn er sich persönlich zum Beispiel eine zeitlang eher mit politischen Dingen die die Bush- Regierung angehen, beschäftigt, dann schreibt er etwas darüber. Andererseits haben wir Lieder wie „Like the Angel“, die eher auf Beziehungsangelegenheiten basieren. Somit hängt es einzig davon ab was er fühlt und denkt. Und genau das mag ich auch an seinen Texten – er drückt ständig andere Dinge aus die ihn beschäftigen…es ist einfach diese Vielseitigkeit!

R&R Army: …Also schreibt er alle Texte, und wie sieht´s mit dem Rest aus?
Joe: Ja, genau! Die musikalischen, also instrumentellen Ausarbeitungen stammen gewöhnlich von Tim und mir zusammen, und dann packt er seinen Notizblock aus und schreibt aus unzähligen Einträgen einen Text zusammen der zu der Stimmung des Songs passt. Also entsteht meist zuerst die Musik und dann der Text.

R&R Army:   Mal ´was anderes – Welche Musik hörst du persönlich am Liebsten? Wer sind deine Helden und woher bekommst du deine Inspiration?
Joe: Super Mario Brothers…(Gelächter)… nun, an erster Stelle stehen da Bands wie Bad Brains und Minor Threat. Bands, die eine solche Energie hervorbringen, und das auch auf ihren Alben – obwohl sie ja damals mehr oder weniger live einspielen mussten. Die konnten ja nicht nur den Bass aufholen und dann das nächste und so weiter. Ich glaub´, diese Bands sind es, die Rise Against am Meisten zu ihrem aggressiven Sound verholfen haben. Ich persönlich mag auch Elvis Costello und The Police sehr! Und alles was Reggae- orientiert klingt, da ich die Bassläufe in dieser Musikrichtung sehr inspirierend finde. Es muss nicht immer nur Punk-Rock sein!

R&R Army: Arbeitet ihr schon an einem neuen Album?
Joe: Beim Soundcheck probieren wir ständig neue Ideen aus. Deswegen setzten wir uns nicht wirklich hin und schreiben ein neues Album….es kommt alles nach und nach. Wir werden sehr wahrscheinlich nächstes Jahr im Sommer ein neues Album rausbringen.

R&R Army: Hat jeder von euch eine bestimmte Angewohnheit oder pflegt ihr ein bestimmtes Ritual wenn ihr auf Tour seid? Bevor ihr die Bühne betretet?
Joe: Oh ja, wir alle haben da so unser Rituale….aber ich verrat nur die harmlosen…. Warm machen natürlich. Tim singt sich vor dem Konzert ein, und wir alle machen Stretching um nicht so steif zu sein. Man muss ja auch ein weinig herumspringen können. Das machen wir alle gemeinsam.

R&R Army: Was plant ihr für die Zukunft und wo siehst du Rise Against in 5 Jahren?
Joe:Ich denke wir werden weiterhin das ganze Jahr über touren, ständig neue Sachen schreiben und dann mit denen touren und so weiter. Man wird Rise Against auf der Straße finden – mit dem was sie schon immer gemacht haben! Es war bisher ein langsamer und ständiger Aufstieg, mit ständig wachsender Fanzahl, und es ist sehr geil zu sehen wie dies sich fortsetzt. Ich glaub wir werden auch in Zukunft unsere Musik für die Leute ansprechend gestalten.

R&R Army: …Nun ja, ich würde nicht sagen, dass es hier in Deutschland ein langsamer Aufstieg war! Meiner Meinung nach eher eine Explosion! Als ich 2004 aus den USA kam kannte kaum einer Rise Against, und nur kurze Zeit später wart ihr in aller Munde…
Joe: Ja, alle Shows bisher waren ausverkauft! Das ist total verrückt! Wir waren bisher noch nie in dieser Stadt und es ist komplett ausverkauft! Nun ja, vielleicht ist das ja weil wir in der Nähe zu Frankreich sind…oder? Wie weit ist das von hier bis zur Grenze?

R&R Army: 5 oder 10 Minuten nur. Und Luxemburg und Belgien ist auch nicht weit…
Joe: …also könnten auch Kids aus Belgien und Frankreich und Luxemburg zu unserer Show kommen?! Das ist ja genial!

R&R Army: Wart Ihr schon einmal in Frankreich?
Joe: Nun ja, das letzte Mal als wir in Frankreich gespielt haben, waren wir irgendwo in der Nähe von Paris….aber anscheinend nicht nahe genug. Es war nichts los. Aber dieses Mal fahren wir nicht nach Frankreich.

R&R Army: OK. das war´s …haut rein heut Abend beim Konzert und viel Spaß!! Danke für das Interview!
Joe: Danke Dir!

Das Interview wurde geführt von Alexander Erbel. Vielen Dank!!

 



Über den Autor

Gründung des RockNRollArmy E-Zine im Jahr 2000


Oben ↑